Geschichte

Die Entstehung des Heinz-Kühn-Bildungswerks ist auf die Sozialistischen Bildungsgemeinschaften (SBG) zurückzuführen, deren Geschichte kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann und eng mit dem Namen Heinz Kühn, dem ehemaligen Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, verbunden ist. Heinz Kühn ist Gründungsmitglied und wie er selbst sagte, "Vater" dieser Einrichtung. Jedoch reichen die Anfänge weiter zurück, denn bereits in den 1920er Jahren existierte das Sozialistische Bildungswerk, dessen Vorbild wiederum die Arbeiterbildungsvereine des 19. Jahrhunderts waren, in denen der deutsche Arbeiter seine Bildung seinen Interessen entsprechend vertiefen konnte.


Wahrscheinlich war der Drang nach Wissen und Erkenntnis, nach Dialog, nach Kultur und Gemeinschaft die stärkste Antriebsfeder und der Motor zur Wiedergründung der Sozialistischen Bildungsgemeinschaft. Sicherlich bestimmte die wirtschaftliche Not den Alltag und die Ängste der Menschen dermaßen, dass für programmatische Diskussionen (vorerst) kaum Platz war. Aber Sinn, Aufgaben und Ziele des Sozialismus blieben nachhaltige Fragen, deren Beantwortung ausstand. Die Sozialdemokraten hatten, wie alle anderen Mitglieder deutscher Parteien auch, neben den schwierigen Alltagsbedingungen mit organisatorischen Problemen zu kämpfen. In der inhaltlichen Arbeit wurde vor allem politisches Wissen vermittelt, das die Belastungen durch den Nationalsozialismus zu überwinden suchte und demokratisches Bewusstsein erzeugen und stärken wollte.


Der Anfang bildete sich 1947 in Köln, dort entstand eine erste informelle Bildungsgemeinschaft. Bei diesen regelmäßigen Treffen referierte Heinz Kühn über die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung und gründete mit Willi Eichler ein Forum für den Austausch über Grundsätze eines neuen Parteiprogramms. Schließlich wurde 1951 als Landeseinrichtung der Zentralausschuss (ZA) der Sozialistischen Bildungsgemeinschaften e.V. u.a. von Alfred Nau, Jupp Kapius, Werner Scheerer, Willi Eichler und Heinz Kühn. gegründet. Wegen seiner politischen Mandate verzichtete Kühn auf den Vorsitz. Er gehörte aber dem Vorstand an. Seine Frau Marianne wurde Geschäftsführerin.


Erster Vorsitzender des Zentralausschusses wurde Jupp Kappius (Dortmund), ihm folgten Werner Scheerer, Friedhelm Simelka, Reinhard Grätz, Hans Peters MdEP und Peter Borggraefe.

Es folgten weitere Neugründungen im ganzen Land. 1978 wurde die SBG Westfalen e.V. gegründet, dies auf Anregung des ehemaligen Kultusministers Jürgen Girgensohn.

 

Ebenso wie der erste regionale Verein als Sozialistische Bildungsgemeinschaft in Köln legte auch der Zentralausschuss, gewissermaßen der Kopf der Einrichtung, von seiner Gründung bis hin zu seiner Anerkennung als Träger der politischen Bildung durch das Weiterbildungsgesetz von 1975 einen langen Weg zurück. Dieses Gesetz war insofern wichtig, da von nun an nicht mehr nur ehrenamtliche Helfer, sondern auch Hauptberufliche für das Bildungswerk tätig wurden. Mit Franz Irsfeld arbeitete ab Januar 1976 erstmalig ein hauptamtlicher pädagogischer Mitarbeiter bei der SBG.

 

Als Hans Peters im Mai 1999 überraschend starb, übernahm übergangsweise Horst Burghardt die Leitung des ZA. Alle Vorsitzenden hatten exponierte Positionen; vom Stadtdirektor, wie Peter Borggraefe, dem Europaabgeordneten Hans Peters über den Landtagsabgeordneten Simelka und den Ministerialrat Scheerer bis hin zu Heinz Kühn, dem Abgeordneten  und späteren Ministerpräsidenten des Landes Nordrein-Westfalen. Seit 2011 ist Heinz Zentgraf, Niggeden Vorsitzender des ZA.

 

Neben den schwierigen Anfangsbedingungen und dem erfolgreichen Aufstieg des Bildungswerkes Anfang der 1950er Jahre war wohl der wichtigste Meilenstein in der Geschichte des Bildungswerkes das sogenannte Weiterbildungsgesetz aus dem Jahr 1975. Der spätere Vorsitzende des ZA, Peter Borggraefe, war damals Mitarbeiter der SPD-Landtagsfraktion und maßgeblich an der Erarbeitung des Gesetztes beteiligt.

Hier wurde die Förderung politischer Bildungsarbeit juristisch fixiert. Einerseits war die Sicherstellung der rechtlichen Grundlage zu begrüßen, andererseits barg das Gesetz auch Risiken, denn von nun an konnten Parteien, Kirchen und Verbände nicht mehr in ihrem eigenen Namen Bildungsarbeit vermitteln, wenn sie öffentliche Mittel in Anspruch nehmen wollten. Die zu befürchtende Gefahr des Identitätsverlustes trat nicht ein. Aber die Bildungsgemeinschaft musste aus dem Schatten der Sozialdemokratischen Partei heraustreten und von nun an unabhängiger fungieren.

 

In den ersten Jahren des Weiterbildungsgesetzes konnten sich die Bildungsträger zu beinahe 100 Prozent aus öffentlichen Mitteln finanzieren. Heute hingegen belasten die gestiegenen Rahmenbedingungen die bildungspolitische Arbeit, was die Quantität beeinflusste. Hinzu kommen steigende Kosten u.a. für die Tagungsstätten und für die Honorierung der Referenten. In dem Maße wie der finanzielle Aufwand stieg, erhöhte sich der Anspruch auf schriftliche Unterlagen und fachliche Kompetenz der Referenten. Daher tragen die Teilnehmenden heute einen höheren finanziellen Beitrag.

 

Die Bildungsarbeit in der zweiten Hälfte des vorherigen Jahrhunderts wurde zeitweilig von 66 voneinander unabhängiger Bildungsgemeinschaften durchgeführt. Der Zentralausschuss unterhielt in den vier Landesteilen Niederrhein, Mittelrhein, Westliches Westfalen und Ostwestfalen/Lippe Zweigbüros. Heute ist die Zahl dieser Bildungsgemeinschaften gesunken und die verbliebenen Büros in Köln und Dortmund leisten den Hauptteil der Arbeit.

Das Heinz-Kühn-Bildungswerk ist - damals wie heute - eng mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten verbunden, genauso wie mit dessen Frau Marianne Kühn († 13.06.2005). Ohne diese beiden unermüdlichen Sozialdemokraten wäre der Erfolg der Bildungsgemeinschaft wohl undenkbar. Heinz Kühn († 12.03.1992) war neben einigen Anderen der Sinnstifter und Kopf der Einrichtung.


Das veranlasste den Vorstand des Trägervereins 1992, nach dem Tod von Heinz Kühn, der Bildungseinrichtung den Namen "Heinz-Kühn-Bildungswerk" zu geben.
Unter Marianne Kühn, die nach der Gründung des "Zentralausschusses der Sozialistischen Bildungsgemeinschaften von Nordrhein-Westfalen" die Geschäftsführung inne hatte, konnte die Arbeit im ganzen Land ausgebaut und modernisiert werden. Nach 14-jähriger Tätigkeit gab sie die Geschäfte 1965 an Horst Becker weiter, dem 1986 Franz Irsfeld folgte. Nach seinem Ausscheiden 2004 übernahm Norbert Geidies die Geschäftsführung.

 

Heute steht die Sozialistische Bildungsgemeinschaft mit ihrem Hauptsitz in Dortmund vor Chancen und Risiken. Damals wie heute ist die Einstellung und Grundlage der Arbeit der Sozialistischen Bildungsgemeinschaft durch persönliche Initiative, ehrenamtliches Engagement und wissenschaftliche Fundiertheit geprägt. Es bleibt abzuwarten, wie die öffentlich geförderte Erwachsenbildung in Zeiten extensiver Kürzungen ihren Handlungsrahmen behaupten oder gar ausbauen kann.

 

Quelle: Geschichte der SBG, Sven Krajka, 2006